Radtraining mit Watt: Ein Interview

Die Leistungsmessung ist im Radsport und damit auch im Triathlon seit Jahren fester Bestandteil der Trainingssteuerung von Profis und Amateuren. Dass immer mehr Athleten, egal ob Einsteiger oder ambitionierter Leistungssportler, auf die wattgesteuerte Methodik vertrauen, ist nicht nur die Folge technischen Fortschrittes und damit kostengünstigeren Modellen, sondern auch der Effektivität dieser Instrumente geschuldet. Wie üblich bei technischen und innovativen Trainingsformen wird viel über den Sinn und die Notwendigkeit der Wattmesssysteme diskutiert. Grund genug für mich, mit Sebastian Rosenkranz über die Bedeutung der wattgesteuerten Leistungsmessung zu sprechen.


Immerhin ist Basti nicht nur selber seit Jahren aktiver Triathlet mit Langdistanz-Erfahrung, sondern auch als Trainer und Leistungsdiagnostiker mit seiner eigenen JES - Die Bewegungsschmiede im täglichen Kontakt mit Tri(athleten/innen) aller Leistungsstufen. In diesem Jahr betreut er unter anderem das Trionik Ironman Rookie Programm. In seinen „heiligen Hallen“ zwischen dem Gänsemarkt und Planten un Blomen haben wir uns getroffen und unsere Sichtweisen zu den Themen Trainingssteuerung, Pacing-Strategien, Körpergefühl und Kompetenzen ausgetauscht. Dort wo Basti normalerweise seine Leistungsdiagnostiken auf Ergometer und Laufband durchführt, Trainingspläne schreibt und Athleten betreut, entstand eine Diskussion über….

… die Bedeutung von wattgesteuerter Leistungsmessung im Radsport und Triathlon:

Basti: „Sobald ich anfange mein Training im Radsport zu planen, stellt sich die Frage: wie steuere ich meine Belastung? Die Wattmessung ist der bestmögliche Parameter, weil sie die direkteste Rückmeldung der erbrachten Leistung ist. Das heißt aber nicht, dass andere Formen nicht ihre Berechtigung haben. Idealerweise würde ich sagen, dass eine Steuerung über drei Komponenten stattfinden sollte: Leistung, Puls und das individuelle Körperbefinden.“

Anmerkung: Die Steuerung über die Herzfrequenz galt jahrelang als das Nonplusultra. Sebastian Rosenkranz erläutert die Vorteile der Wattmessung gegenüber des pulsorientierten Trainings so:

Basti: „Die Wattwerte zeigen die aktuell erbrachte Leistung an, während der Puls nur eine Reaktion des Organismus auf diese Leistung ist, die eine sehr lange Anpassung benötigt. Das heißt bei schnell wechselnden Bedingungen wie in welligem Gelände oder Kurven, dass ich in Wahrheit ständig wechselnde Leistungen vollbringe, die Herzfrequenz diese jedoch nicht abbildet. Der Puls hat trotzdem seine Berechtigung. Eine solche Steuerung hat früher ja auch funktioniert, die Kurve ist jedoch einfach sehr geglättet.“

… die Zielgruppe des Leistungsmessung:

Basti: „Eigentlich gibt es kaum eine Situation, in der ich die Wattmessung nicht empfehle. Die Leistungsmessung hilft einfach, Fehler zu vermeiden. Gerade im Amateurbereich, wo die Kompetenzen der Athleten was eine Einschätzung der gerade abgerufenen Leistung angeht, nicht so ausgeprägt sind, hilft ein objektives Steuerelement um ihnen eine bessere Einschätzung über Intensitätsbereiche zu geben. Deshalb sind diese Systeme nicht auch, sondern gerade für Einsteiger interessant, weil bei diesen Fahrern das Körpergefühl noch nicht so gut ausgeprägt ist.“

Alex: „Allerdings müssen die Intensitätsbereiche bekannt sein und der Athlet muss die Daten zumindest teilweise interpretieren können…“

Basti: „Die Werte machen sicherlich nur dann Sinn, wenn ein Referenzsystem vorhanden ist und dieses System eine verlässliche Größe darstellt. Nur einen Wert zu sehen bringt mir erst einmal nichts. Wenn ich diese Zahl nicht bewerten kann, ist er nur eine Aufhübscherei. Ich muss festmachen können, wo z.B. Übergangsmomente von aerober zu anaerober Energiebereitstellung sind oder wo extensives Grundlagen-Ausdauertraining stattfindet. Wenn ich eine Bewertung vornehmen kann oder diese Bewertung an einen Trainer abgebe, stellt das System einen unglaublichen Mehrwert dar. Entscheidend ist, dass ich weiß, was ich mit diesen Werten tun möchte.“

Anmerkung: die Ermittlung der Trainingszonen kann über mehrere Methoden erfolgen. Verschiedene Tests, die unter kontrollierten Bedingungen stattfinden (z.B. auf dem Indoor-Trainer), liefern Erkenntnisse zu diesen Intensitätsbereichen. Eine professionelle Leistungsdiagnostik ist der präziseste und aussagekräftigste Weg um diese Bereiche zu bestimmen und ein individuelles Stärken- und Schwächen-Profil zu erhalten.

… die Einstellung aus Trainersicht:

Basti: „Ich als Trainer möchte wissen, was in den Trainingseinheiten tatsächlich passiert ist und außerdem kann ich auf das Rennen bezogen eine viel genauere Pacing-Strategie vorlegen.“

Alex: „Wo ordnest du aus Trainersicht die Leistungsmessung auf der Prioritätenliste ein?“

Basti: „Ich denke Leistungsdiagnostik und Leistungsmessung gehen Hand in Hand und stehen ganz weit oben. Ich würde unter finanziellen Gesichtspunkten eher darüber nachdenken, ob es unbedingt die beste Schaltgruppe sein muss, bevor ich bei einem Wattmess-System spare. Die Leistungsmessung macht das Training besser, andere Komponenten verbessern lediglich den Komfort.“

… die Wattmessung aus Athletensicht:

Alex: „Mit welchen Daten arbeitest du als Athlet?“

Basti: „Vor allem mit den reinen Leistungswerten. Für mich ist wichtig, dass ich das Training so steuere, dass ich den Zielbereich so genau wie möglich treffe. Daher ist die Gesamtleistung von genauso großer Bedeutung wie eine direkte Abbildung der momentanen Leistung. Ich finde das Mittel über 3 Sekunden, 10 Sekunden und 30 Sekunden schön, weil die Ausschläge dann nicht so groß sind. Damit habe ich den aktuellen Wert, den gleitenden Mittelwert und den Gesamt-Duchschnitt und kann damit sehr gut arbeiten.

Anmerkung: Radcomputer wie z.B. die Garmin Edge Serie erlauben unterschiedliche Anzeigen. Wird lediglich die aktuelle Leistung betrachtet, kann es zu großen Ausschlägen nach oben oder unten kommen, die ein Resultat von nur wenigen lockereren/kräftigeren Pedalumdrehungen z.B. nach roten Ampeln oder Kurven sind. Ein Mittelwert der letzten 3 Sekunden (bzw. 10 oder 30 Sekunden) ist ein stabilerer Wert, der nicht so sehr von diesen Belastungsspitzen beeinflusst wird.

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