Rolling Start – Wenn Engelchen und Teufelchen Schwimmen Gehen

Der Rolling Start wird bei immer mehr Rennen der Ironman Serie durchgeführt und sorgt für heftige Streitereien zwischen dem Engelchen in Einteiler und Badekappe auf der Einen, und dem Teufelchen mit Kamera und morgendlichen Kaffee bewaffnet auf der anderen Schulter. Argumente für und wider Tradition, Nostalgie, Sicherheit und Prügeleien werden heftigst diskutiert und lassen auch mich nachdenken: was möchte ich eigentlich? Gibt es die perfekte Lösung für den gefürchteten Schwimmstart und ist der Rolling Start ein Schritt in die richtige Richtung?

Was ist der Rolling Start?

Entgegen des traditionellen Massenstart, bei dem alle Starter oder Athleten einer bestimmten Altersklasse gleichzeitig das Rennen beginnen, setzt der Rolling Start auf einen Schwimmstart in Kleingruppen, die in kurzen Zeitabständen hintereinander ins Wasser gelassen werden. Anhand eines bestimmten Algorithmuses, der die Anzahl an Athleten berücksichtigt, werden in festgelegten Zeitintervallen Gruppen von mehreren Athleten auf die Schwimmstrecke gelassen während der Rest des Feldes in einem vom Veranstalter aufgebauten Startbereich entsprechend ihrer erwarteten Schwimmzeit aufgereiht wartet. Im Falle des 70.3 Rennens auf Rügen wurden alle 6 Sekunden jeweils 4 Athleten gestartet. Die Triathleten mussten sich in den Minuten vor dem Start entsprechend ihrer Schwimmfähigkeiten in Bereichen positionieren, die - wie von Laufveranstaltungen bekannt - in aufsteigenden Endzeiten sortiert waren. Die Positionierung wählen die Athleten beim Rolling Start in Eigenverantwortung. Wichtig zu wissen ist, dass die Zeitnahme jedes Athleten selbstverständlich erst beim individuellen Startzeitpunkt erfolgt, sodass sich früher startende Sportler keinen zeitlichen Vorteil verschaffen.

Die Athleten sortieren sich vorm Schwimmstart gemäß ihrer erwarteten Schwimmzeit
Die Athleten sortieren sich vorm Schwimmstart gemäß ihrer erwarteten Schwimmzeit

Warum wird der Rolling Start eingesetzt?

Die Begründung des Rolling Starts überlasse ich dem Veranstalter. Hier könnt ihr den Ablauf, sowie vermeidliche Vorteile des neuen Systems einsehen.

Nun aber zu meinen persönlichen Erfahrungen als Athlet, dem Engelchen in Einteiler mit viel Vorfreude und noch mehr Nervosität vor dem anstehen Rennen. Als schwächerer Schwimmer (ca. 30 Minuten auf 1,9km) mit Ambitionen auf die vorderen Platzierungen in der Endabrechnung entschied ich mich für den Startblock mit einer Zielzeit von 25 bis 30 Minuten um meinen direkten Mitkonkurrenten keinen zu großen Vorsprung zu lassen und eine bessere Orientierung bzgl. der Position während des folgenden Rennverlaufs zu haben. Pünktlich um 10:15Uhr erfolgte der erste Start der Age Grouper und ich fand mich in ca. achter Reihe wieder. 48 Sekunden später war es dann also soweit. Gemeinsam mit drei weiteren Athleten rannte ich ca. 10 Meter bis zum Wasser und stürzte mich in die in diesem Jahr ruhigen Fluten der Ostsee. Was in den nächsten 28,5 Minuten folgte (die Zeitmessmatte lag ca. 300m hinter dem Schwimmausstieg) war das bisher angenehmste Schwimmen meiner noch zugegeben kurzen und bescheidenen Triathlonlaufbahn. Auf Anhieb habe ich die Füße eines Mitstreiters gefunden und die ersten 400-500m bis zur ersten Wendeboje absolviert bevor sich einige Schwimmer unterschiedlicher Startgruppen vermischten. Eng wurde es aber auch ab da zu keinem Zeitpunkt.

Dem Rolling Start entgegen steht natürlich ein Phänomen, das spektakuläre Bilder liefert, die um die Welt gehen. Wenn das Teufelchen auf meiner anderen Schulter früh morgens am Schwimmstart steht, bewaffnet mit Action Cam, Live Tracker und den Bildern der Massenstarts auf Hawaii im Kopf, und an Triathlon denkt, gibt’s Gänsehaut von Horn bis Fuß: die tausenden von Menschen, die von einem Kanonenschuss zeitgleich auf ihre Reise geschickt wurden. Die Unterwasseraufnahmen, die ein riesiges Teilnehmerfeld zeigten, das auf Knopfdruck - bzw. Kanonenknall - den Pazifik in eine Badewanne sondergleichen verwandelt. Diese Bilder möchte ich nicht missen. Sie sind Identität, Leitbild und Markenzeichen der Triathlon Rennen.

Zurück zu mir als Aktiver: insgesamt fiel auf, dass die Athleten, die kurz vor bzw. nach mir gestartet sind, sich hinsichtlich ihrer Schwimmzeit äußerst realistisch eingeschätzt haben, sodass weder durch langsame Schwimmer von vorne bzw. schnelle Leute von hinten Stress entstand und das Feld entsprechend ungestört die etwas zu kurz vermessene Strecke absolvieren konnte. Besonders angenehm empfand ich auch die Tatsache, dass durch den entzerrten Start kein schnelles Anschwimmen auf den ersten Metern nötig ist um sich von den langsameren Schwimmern zu lösen und sich dem üblichen „Geprügel“ zu entziehen. Das durchgehend gleichmäßige und freie Schwimmen sorgt definitiv für einen tollen Auftakt in einen langen Wettkampftag und gerade bei den großen Veranstaltungen möchte ich diese Erfahrung nicht mehr missen. Gerade bei Ironman Veranstaltungen war die bisherige Startreihenfolge, die einen Start der Frauen, sowie der Herren über 55 vor dem restlichen Männerfeld vorsah, doch eher bescheiden, da bereits nach wenigen hundert Metern der Zusammenschluss mehrerer Gruppen erfolgte und ab diesem Zeitpunkt ein Schwimmen nur noch in Schlangenlinien stattfinden konnte.

Äußerst positiv ist auch, dass sich durch dieses Startprozedere eine natürliche Entzerrung auf den folgenden Streckenabschnitten entsteht und sich zumindest in meinem Fall keine größeren Radgruppen gebildet haben. Wer die „non-drafting“ Rennen der Regionalliga Nord verfolgt hat weiss, dass mir dieser Umstand besonders gefallen hat.

Fazit

Sowohl für Athleten, die um die vorderen Plätze kämpfen, als auch für Schwimmer, die Beklemmungen und Ängste vor dem dichten Gedrängel beim Start haben, ist der Rolling Start eine sehr gute Lösung, die ein faires und sicheres Rennen deutlich wahrscheinlicher macht als die bisherigen Massenstarts. Für Ironman gilt es nun, die optimalen Zeitabstände und Gruppengrößen zu finden um den Rolling Start zu optimieren. Die Gruppen in Rügen kamen mir beispielsweise sehr klein vor und ich glaube, dass auch bei größeren Startgruppen von 6-8 Athleten ein positiver Effekt aufgetreten wäre.

Für die Zuschauer an der Strecke ist der Rolling Start mit Sicherheit ein Dorn im Auge. Fehlende Brisanz und Atmosphäre zu Beginn des Rennens und ein fehlender Überblick über die Platzierung der eigenen Schützlinge lassen manch einen Beobachter heftig mit dem Kopf schütteln.

Letztendlich glaube ich, dass ein guter Mix gefunden und erhalten werden muss. Die Profis - so viel steht natürlich fest - werden weiterhin als Massenstart auf die Reise geschickt und auch bei Traditionsrennen wie auf Hawaii wird dieses Prozedere weiterhin durchgeführt. Bei anderen Rennen, die sowieso keine Medienpräsenz in Form einer ausgiebigen Live-Berichterstattung von Beginn an genießen, lohnt sich aber eine Weiterführung eines optimierten Rolling Starts zum Wohle der Athleten - denn zum Schluss sollten genau diese im Mittelpunkt des Interesses stehen.

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