Lese-Tipp: Thomas Dekker – The Descent

Ich habe gerade ein Buch von David Millar zu Ende gelesen und wollte eigentlich eine Rezension schreiben, dann nehme ich das Buch von bzw. über den ehemaligen Rad-Profi Thomas Dekker in die Hand und bin augenblicklich gefesselt. In zwei Tagen lese ich die etwas über 200 Seiten, muss des öfteren tief Luft holen, zwischenzeitlich das Buch weglegen und doch direkt weiterlesen. Keine Frage: „The Descent“ ist die schonungsloseste Biographie, die mir bislang in die Finger geraten ist!


Über das Buch

Das Buch gibt es neben dem holländischen Original noch auf Englisch und Deutsch. Da ich lieber auf Englisch lese, kaufe ich mir diese Version; für die deutschsprachigen Leser gibt es die Fassung Thomas Dekker: Unter Profis

Gleich zu Beginn erhält der Leser einen Eindruck davon, was er in den nächsten Stunden erfahren soll: Thomas Dekker liegt auf dem Bett eines dunklen Hotelzimmers, eine dicke Nadel im Arm und betrachtet sein eigenes Blut, das einen Schlauch entlang in den befestigten Beutel läuft. Unter den Augen von Eufemiano Fuentes gibt Dekker zum ersten Mal in seiner Karriere Blut - die Vorbereitung auf zukünftige Bluttransfusionen.

Danach beschreibt Dekker seine Kindheit, das bodenständige Elternhaus, aus dem er stammt, und den Start seiner Leidenschaft auf zwei Rädern. Er erzählt von seinem großen Idol Michael Boogerd, von dem er ein Poster über dem Bett hängen hat. Später soll er in einem Team mit dem Holländer fahren und ihn mit nur einer Unterschrift in den Ruin treiben können.

Seine frühe Karriere kennt nur eine Richtung: steil nach oben! Im Jugendbereich ist er unangefochten, fährt für das Nachwuchsteam von Rabobank und ist dort Teil einer aberwitzig starken Ansammlung von jungen Talenten. Bei den Rennen zu dieser Zeit geht es nur darum welcher Fahrer den Sieg für das Team einfährt. Mit 20 Jahren unterschreibt er einen Profivertrag, der ihm 100.000€ einbringt. Nur kurze Zeit später erhält er einen neuen Vertrag mit einem jährlichen Grundgehalt von 900.000€ - ohne Boni. Dekker ist der hellste Stern am Radsport-Himmel!

In dieser Zeit lernt er auch die dunkle Seite des damaligen Radsports kennen. Begrüßungsrituale, die weit über die heute üblichen Gesangseinlagen hinausgehen, nächtliche Gelage in Strip-Clubs, Prostituierte. Thomas Dekker schmeißt mit Geld um sich, vergnügt sich mit hunderten von Frauen, fährt schnelle Autos und bewundert Lance Armstrong - nicht wegen seiner Erfolge, vielmehr wegen der arroganten und unantastbaren Aura und des Privat-Jets. Für den designierten Champion ist der sportliche Erfolg vor allem eines: die Tür zu einer Welt voller Protz und Status-Gehabe.

Er lernt auch, dass bei den großen Rennen mit anderen Mitteln gekämpft wird. Unerlaubte Mittel. Die Fahrer, die er zuvor noch geschlagen hat, lassen ihn bei großen Rennen regelmäßig stehen. Dekker merkt schnell was Sache ist. Ausgerechnet sein Manager stellt den Kontakt zum Doping-Arzt Fuentes her, organisiert Zeit- und Treffpunkte für die Bluttransfusionen. Sein damaliges Team - das niederländische Team Rabobank - regelt den Rest: Schlaftabletten und Kortison stehen auf der Tagesordnung. Ausgerechnet sein Jugend-Idol Michael Boogerd versorgt ihn mit einer neuen Form von Epo. Thomas Dekker ist sportlich auf dem Weg nach ganz oben, über seine Karriere zu diesem Zeitpunkt schreibt er jedoch: „The descent has already begun.“

2009 wird er bei einer nachträglichen Untersuchung positiv getestet und zwei Jahre gesperrt. Er driftet endgültig ab, gibt innerhalb eines Jahres alleine 150.000€ für Urlaubsreisen aus, trinkt wie ein Loch und guckt sein Rennrad nicht einmal mehr an. Nach seiner Sperre erhält er von Jonathan Vaughters - einem bekennenden Anti-Doping Kämpfer und Teammanager - eine zweite Chance unter der Voraussetzung, reinen Tisch zu machen und sich im Farmteam, dem Chipotle Development Team, zu behaupten. Dass ausgerechnet die Nacht mit einer Prostituierten fast seine Rückkehr in den Profi-Radsport verhindert, passt zu seiner Lebensgeschichte.

Ohne Doping fährt er künftig für das Team Garmin-Cervelo; völlig außer Form und ohne Ziel: für ihn zählen nur große Siege und Status. In seiner Verfassung unmöglich! Nach einer Verletzung und dem Zusammenschluss zweier Teams steht er auf einmal ohne Vertrag dar, fällt in das nächste Loch und beendet schließlich nach einem gescheiterten Versuch, den Stundenrekord von Rohan Dennis zu brechen, seine Profi-Karriere. Er findet seinen Frieden, macht reinen Tisch und lässt keine Details und Namen aus.

Fazit

Das Buch ist absolut lesenswert! Es ist kurzweilig geschrieben und man ist sofort gefangen und möchte weiterlesen. Keine Frage: The Descend ist keine typische Biografie. Es ist schonungsloser, ohne Rücksicht auf Verluste und es gibt einen Einblick in eine dunkle Zeit des Radsports Mitte der 2000er. Es verdeutlicht den Druck, dem Fahrer zu dieser Zeit ausgesetzt waren und die Sackgasse, aus der es keinen Weg hinaus gab. Aber: es zeigt auch, dass der Radsport nach Ablauf seiner Doping-Sperre und mit Einführung des biologischen Passes nicht nur professioneller, sondern auch sauberer geworden ist - zumindest wenn man Decker Glauben schenken darf. Wieso sollte man es auch nicht? Seine Karriere ist vorbei und alle Karten auf den Tisch gelegt… Besonders Jonathan Vaughters kommt - wie schon in den Büchern von David Millar (Rezension folgt) - besonders gut weg. Als ehemaliger Doper setzt er sich in seiner Funktion als Teammanager für den sauberen Radsport ein, sondiert Fahrer nach ihrer Vergangenheit und dem Bekenntnis zum Anti-Doping Kampf.

Ab und zu muss man mit Sicherheit tief Luft holen. Spätestens wenn er von dicken Nadeln berichtet, die er sich selbst erfolglos versucht in den Arm zu jagen. Er erzählt von Blutlachen auf dem Boden, von Alkohol-Abstürzen und von einem Autounfall, der ihm das Leben hätte kosten können - alkoholisiert und ohne Führerschein versteht sich!

Man muss weder aktiver Radsportler sein, noch Thomas Dekker und seine Karriere kennen um das Buch gut zu finden. Die Geschichte und die Art, wie diese aufbereitet ist genügen, um gefesselt zu sein!

Das Buch in Englischer Fassung gibt es hier zu kaufen: Thomas Dekker: The Descent
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