Laura Philipp: “Im Triathlon kommt es auf Fleiß, Ehrgeiz und Kontinuität im Training an”

Die aktuelle Fülle an weltklasse Triathleten/innen aus Deutschland auf der Mittel- und Langstrecke ist beeindruckend und sucht seinesgleichen. Eine Athletin, die spätestens seit 2016 zu diesem elitären Kreis gezählt werden darf ist Laura Philipp (29). Seit dieser Saison ist die gelernte Physiotherapeutin Profi in Vollzeit und eine echte Anwärterin auf Siege bei den größten Rennen der Welt. Mit Erfolgen auf Mallorca, Sankt Pölten und in Heilbronn feierte Philipp ihren persönlichen Titel Hattrick im Sommer und spätestens nach Platz 7 bei der Ironman 70.3 WM in Australien ist das "blue girl" weltweit in aller Munde.


Laura, deine Karriere verläuft bilderbuchmäßig. Vom Erdinger Alkoholfrei Perspektiv Team ging es ins Elite Team. Mittlerweile bist du Vollzeit-Profi und konntest mehrere prestigeträchtige Rennen gewinnen. Bist du manchmal selber von der Geschwindigkeit dieser Entwicklung überrascht, wenn du an die letzten Jahre zurückdenkst?

Ja, manchmal bin ich tatsächlich sprachlos wie gut ich mich über die letzten Jahre entwickeln konnte und mittlerweile Namen in Rennen hinter mir lassen kann, zu denen ich vor zwei Jahren noch ehrfürchtig aufgeschaut habe. Ich hatte das große Glück, durch meine Aufnahme ins Erdinger Perspektivteam relativ früh Profiluft zu schnuppern, obwohl ich ein absoluter Triathlon-Neuling war. Durch den engen Kontakt zu den Profis habe ich schnell gemerkt auf was es im Triathlon ankommt um erfolgreich zu sein: Fleiß, Ehrgeiz und vor allem Kontinuität im Training. Ich denke, ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass man auch mit Mitte zwanzig noch Schwimmen lernen und durch Leidenschaft, den richtigen Trainer und die passenden Sponsoren den Sprung in den Leistungssport schaffen kann. Meine Leistungsentwicklung ist sehr nachhaltig, nicht zu schnell und ich lege zusammen mit meinem Trainer großen Wert darauf, mein Potential voll auszuschöpfen ohne mich frühzeitig  "zu verbrennen“.

Gibt es ein bestimmtes Rennen oder eine Situation, in der du gemerkt hast, dass du es als Profi schaffen kannst oder ist dieser Gedanke mit der Zeit entstanden?

Foto: Marcel Hilger
Strahlende Siegerin in Sankt Pölten. Foto: Marcel Hilger

Nachdem ich 2013 bei meiner ersten Mitteldistanz im Kraichgau auf Anhieb 5. Profidame wurde, hatte ich schnell die Hoffnung, dass da noch viel mehr in mir steckt. Ich habe zudem einen starken Glauben an mich selbst und ein starkes Umfeld, das nie an mir gezweifelt hat. Somit stand es für mich eigentlich nie zur Debatte, dass ich es nicht schaffen könnte. Ich arbeite tagtäglich mit viel Fleiß und Spaß an meinem Traum, jeden Tag noch ein Stückchen besser zu werden. Da es eine Bedingung für die Aufnahme ins Erdinger Perspektivteam ist, dass man sich eine Profi-Lizenz löst um auch im Testpool der NADA zu sein, hatte ich von Anfang an die Situation, dass ich mich im Rennen mit den Profis messen musste. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch voll als Physiotherapeutin berufstätig. Das Motivierende war jedoch, dass ich mit jeder Rennerfahrung besser wurde und ich mit jedem weiteren Erfolg meine Arbeit als Therapeutin Stück für Stück zurückfahren konnte. Nach zwei erfolgreichen Jahren im Perspektivteam gelang der Sprung ins Profiteam.

Und so starte ich seit 2015 offiziell als tatsächlicher Profi. Meine Arbeit als Therapeutin habe ich jedoch erst 2016 so richtig ruhen lassen. Der Beruf macht mir einfach auch viel Freude und eine geringe Stundenzahl lässt sich eigentlich auch gut mit meinem Training kombinieren. Trotzdem habe ich mich seit diesem Jahr dazu entschlossen, meinen Fokus nun ausschließlich auf den Sport zu legen und die freie Zeit für Regeneration und andere Tätigkeiten zu nutzen. Bisher habe ich diesen Schritt auch nicht bereut und gehe voll in meinem neuen Beruf auf.

In dieser Saison konntest du drei Rennen auf der Mitteldistanz gewinnen und bei der Ironman 70.3 EM in Wiesbaden das Podium erreichen. Die Ergebnisse konntest du mit einem 7. Platz bei der WM in Australien krönen. Mit der Saison musst du mehr als zufrieden sein.

Ja, da hast du recht. Nachdem meine Saison 2015 auch sehr gut begonnen hat, wurde sie nach meinem Sieg in Heilbronn leider durch einen Radsturz abrupt beendet. Schweren Herzens musste ich meine weiteren Starts absagen und besonders schmerzhaft war es, bei der Ironman 70.3 WM in Zell am See nicht dabei zu sein. Das Rennen wäre natürlich absolut mein Ding gewesen. Aber so hatte ich genügend Zeit, mich auf die neue Saison vorzubereiten und die Motivation war höher denn je.

Nach zwei frühen Einstiegsrennen in den USA, die mir dazu dienen sollten, Material, Verpflegung und den Körper zu testen, ging die Saison für mich mit dem Ironman 70.3 auf Mallorca richtig los. Das Rennen dort gegen eine Weltklasseathletin wie Nicola Spirig für mich entscheiden zu können, war traumhaft. Dies ist ein Sieg, auf den ich wirklich sehr stolz bin. Immerhin wurde Nicola außer von mir in diesem Jar nur von der Olympiasiegerin Gwen Jorgensen geschlagen.

Die zwei weiteren Siege, die sich in Sankt Pölten und Heilbronn anschlossen, waren hart erkämpft und deshalb besonders schön. Auch mit meinem weitere Saisonverlauf bin ich zufrieden. Die 70.3 EM und WM waren beides Rennen mit unglaublich guten Starterfeldern und so hatte ich den direkten Vergleich mit der aktuellen Weltspitze. Auch wenn ich in beiden Rennen nicht den absoluten Sahnetag erwischte, bin ich stolz auf meine Leistungen und weiß, dass ich mich jederzeit auf meinen Körper verlassen kann. Ich bin meinem Ziel, zu den besten Frauen auf der 70.3 Distanz zu gehören, einen großen Schritt näher gekommen und hoffe, dies 2017 noch zu perfektionieren.

Training Tipps: Mit Nüchterntraining zum Erfolg

Mal kurz weg von deinem sportlichen Erfolg: eine Karriere im Triathlon bedeutet auch die Möglichkeit, viele Länder und Kulturen zu sehen. Im Frühjahr warst du für längere Zeit in den USA, im August/September im Rahmen der Ironman 70.3 WM in Australien. Kannst du trotz hoher Trainingsumfänge und Konzentration auf die Rennen persönliche Erfahrungen von den Reisen mitnehmen?

Absolut, ich habe die Aufenthalte im Ausland sehr genossen und habe mir, so glaube ich, auch noch eine gesunde Portion Gelassenheit bewahrt, so dass sich nicht alles in meinem Leben ausschließlich um Leistung, Training und Wettkämpfe dreht. Ich konnte sowohl in den USA als auch in Australien in die jeweiligen Kulturen hinein schnuppern, mich treiben lassen und den Lifestyle der Locals genießen. Meine Erfahrung ist, dass eine gewisse Lockerheit am Ende sogar die Leistung pusht, da der Körper nicht ständig am Limit ist und noch Reserven hat. Ich habe mir für nächstes Jahr fest vorgenommen, auch weiterhin das Reisen und Erkunden von anderen Kulturen mit den Starts von Rennen zu verbinden.

Zurück zum Sportlichen: nach der verletzungsbedingten Absage 2015, konntest du dieses Jahr deine WM-Premiere feiern. Ein direktes Kräftemessen mit den schnellsten Frauen der Welt: hat sich diese Brisanz in einer besonderen Nervosität im Vorfeld widergespiegelt oder bist du dieses Rennen wie jedes andere angegangen?

Natürlich war mein erster WM Start etwas ganz besonderes für mich. Allein die Teilnehmerliste anzusehen ließ meinen Puls im Vorfeld ansteigen. Ich hatte eine gehörige Portion Respekt vor den Mädels und vor der Ungewissheit, wie ich in einem solchen Feld wohl abschneiden würde. Aber neben all der Nervosität wusste ich auch, dass ich gut trainiert hatte und dass ich mich darauf verlassen kann, eine gute Leistung abrufen zu können. Die Location war so schön und meine Zeit in Australien zu bereichernd, dass ich wusste, dass egal wie das Rennen ausgeht, ich zufrieden sein werde. Mit der zweitschnellsten Laufzeit und einem 7. Platz war ich am Ende mehr als zufrieden und habe einige wichtige Erfahrungen mitgenommen, die mir helfen werden, 2017 hoffentlich noch weiter vorne zu landen.

Platz 7 bedeutet, dass du in der Weltspitze angekommen bist, aber mit Sicherheit noch ein Ziel vor den Augen hast. Hast du dir mittlerweile mit deinem Trainerteam Gedanken gemacht an welchen Stellschrauben du in Hinblick auf die nächste Saison drehen musst, um den nächsten Karriereschritt zu machen?

Der Rennverlauf in Australien hat deutlich gezeigt, dass die Schwimmleistung immer bedeutender wird. Besonders dann, wenn die Radstrecke flach und wenig technisch ist. Da ich erst seit 5 Jahren Kontakt mit dem Wasser habe, ist dies natürlich meine größte Herausforderung. Mein Trainer und ich sind aber zuversichtlich, dass wir, gemeinsam mit meinem neuen Schwimmtrainer, die Lücke nach vorne im nächsten Jahr schließen können. Dies würde mir im Rennverlauf natürlich taktisch ganz andere Möglichkeiten eröffnen. Meine Radleistung konnte ich dieses Jahr deutlich steigern und an einem sehr guten Tag ist sie von den Wattwerten und dem Pacing bereits im Bereich von Spitzenleistungen. Auch im Laufen konnten wir mit relativ geringem Aufwand wieder eine sehr gute Performance erzielen. Somit gilt es primär das Schwimmen zu verbessern und mein Potential in der Rad-Lauf-Kombo trotzdem weiterzuentwickeln. Die Stellschraube „Geschwindigkeitsentswicklung“ wird also weiter kräftig gedreht und ich hoffe, dass ich mich weiterhin so kontinuierlich und nachhaltig verbessern kann.

Je nachdem wie meine Entwicklung nächstes Jahr aussieht, kann ich mir dann auch vorstellen, 2018 den Schritt auf längere Distanzen zu wagen. Gerade hinsichtlich der WM auf Hawaii müssen die deutschen Frauen endlich mal den Erfolgen der Männer nacheifern. Es gibt also auch weiterhin viel zu tun. 😉

Laura Philipp
Foto: Marcel Hilger

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