Ironman Hawaii 2017: Gewinner und Verlierer

Die Ironman Weltmeisterschaften 2017 auf Hawaii werden nicht zuletzt auf Grund des Streckenrekords von Patrick Lange in die Geschichtsbücher eingehen. Neben dem Sieg des Darmstädters spielten sich weitere zahlreiche Dramen ab, die in dieser Form wohl nur der Triathlon schreibt. Hier sind meine Gewinner und Verlierer des Rennens:

Patrick Lange

Na klar, wer sonst? Neuer Ironman Weltmeister und Streckenrekordhalter - den Laufrekord hatte er ja eh schon. Die Erfolgsstory der letzten 24 Monate will einfach nicht abreißen und erlebte gestern ihren absoluten Höhepunkt. Trotz - wie er hinterher feststellte - katastrophaler Radbeine und Gedanken ans Aufhören, beißt er sich durch, rennt erneut nach vorne und gibt sich in den anschließenden Interviews authentisch und nahbar. Ein würdiger Champion, der es seinen Kritikern („One-Hit-Wonder“) gezeigt hat.

Lionel Sanders

Es war eng, sehr eng! Weniger als 5km vor dem Ziel liegt Sanders noch in Führung und hat den gesamten Tag über das getan, was er im Vorfeld offensiv angekündigt hat: das Rennen aktiv und von vorne weg zu gestalten. Sein Laufstil - eine Hüfte nachziehen, starke Rotation im Oberkörper bei deutlichem Fersenlauf - hat einen früheren Einbruch vermuten lassen. „JETZT aber..:“, „JETZT bricht er ein“, „JETZT wird er langsamer“,… nur wurde er das nicht; stattdessen vergrößerte er den Abstand zu Sebastian Kienle, der vergleichsweise leichtfüßig aussah. Ich habe es Sanders ehrlich gesagt nicht zugetraut, dass er in diesem Jahr schon so weit vorne mitspielt und habe bis KM 30 an den großen Einbruch geglaubt. Er hat mich ganz eindeutig eines besseren belehrt und - viel wichtiger - im Zieleinlauf und seiner Reaktion Patrick Lange gegenüber wahre Größe gezeigt. Trotzdem bin ich ganz froh, dass er noch mindestens ein Jahr auf die endgültige Krönung warten muss; der Wandel vom Drogen Junkie zum Weltmeister wäre mir doch zu schnell gegangen…

Jan Frodeno

Gewinner?? Der Weltmeister läuft als 35. ein, 1:14Std hinter dem neuen Champion. Die Art und Weise aber wie Frodeno während des Rennens mit seinen offensichtlichen Rückenproblemen umgegangen ist, war eines Weltmeisters und Aushängeschild einer gesamten Sportart mehr als würdig. Anstatt die Flinte ins Korn zu schmeißen, quält er sich mal gehend, mal laufend über die Laufstrecke und zeigt worauf es beim Ironman ankommt: das Finish ist die oberste Prämisse - egal ob Weltmeister oder Rookie! Dass er Profikollegen und Age Grouper abklatscht und anfeuert mag auch Kalkül und gut für seine Außendarstellung sein, war in diesem Moment aber mit Sicherheit der unangenehme und schmerzhafte Weg. Dabei absolut authentisch und glaubwürdig. Hut ab, Frodo!

Jan Frodeno

Aber klar, wenn der Topfavorit 35. wird, muss er auch als einer der Verlierer des Rennens durchgehen und wird wohl selber nichts anderes von sich behaupten. Um ehrlich zu sein, hätte ich allgemein ein deutlich offensiveres Rennen erwartet. Stattdessen kam Frodeno gemeinsam mit einer großen Gruppe aus dem Wasser und hat sich auch auf dem Rad eher zurückhaltend gezeigt. Ob er dort schon Probleme hatte oder die Konkurrenz an diesem Tag einfach ebenbürtiger war als vermutet, sei dahingestellt. Fest steht, dass ein „Threepeat“ von Frodeno auch ohne Rückenprobleme kein Selbstläufer geworden wäre.

ZDF Übertragung

Ich hatte mich wirklich auf die Übertragung des ZDF gefreut, aber irgendwie war da in meinen Augen der Wurm drin. Die Experten - Daniel Unger und Andreas Raelert - fand ich gut. Sie konnten mich mit vielen Insidern überzeugen und haben es in meinen Augen geschafft, eine gute Mischung zu finden, um sowohl Triathlon Neulinge abzuholen, als auch Experten zu unterhalten. ABER: während des Radfahrens und Laufens gab es meines Erachtens viel zu wenig Grafiken hinsichtlich Platzierungen und Zeitabständen. Ohne Ironman Tracker wäre ich vermutlich aufgeschmissen und orientierungslos gewesen. Beim Laufen war mir die Fokussierung auf das Frodeno-Drama zu stark, immerhin ging es vorne mit Deutscher Beteiligung (zu diesem Zeitpunkt noch Sebastian Kienle) um den Sieg! Und viel wichtiger: entscheidet man sich als Sender, eine Geschichte um Frodeno zu stricken und seinen qualvollen Weg zum Finish zu begleiten, ist es geradezu abstrus, die Live Berichterstattung zu beenden, wenn Frodeno sich auf den letzten 1500 Metern befindet. Sendezeiten hin oder her, bei einer 9-stündigen Übertragung muss es möglich sein, weitere 5 Minuten abzuwarten und die Geschichte immerhin zu Ende zu erzählen. Auch die Berichterstattung der Frauen - auch wenn die Deutschen dort mehr oder weniger unter dem Radar flogen - kam mir deutlich zu kurz. Immerhin: ich bin froh und erachte es für einen richtigen und wichtigen Schritt, dass das ZDF live vom Ironman berichtet und freue mich auf eine weitere und verbesserte Übertragung in 2018 - bring it on!

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1 Kommentar

  1. Da ich gerne Sachen von dir kommentiere (70.3 wm 😉 )hier mal die nächste Meinung.

    Zu Patrick Lange, wieder einen 2:39 Marathon zu laufen ist einfach brutal. „Eigentlich“ war er zu weit weg nach dem Rad mit etwa 9 min auf Sanders und 7:39 auf Frodo und für mich ging zu dem Zeitpunkt der Sieg weiterhin nur über Frodo, aber ne 2:39 rauszuhauen, wieder, und damit jederzeit daran zu glauben war großartig und hat sich völlig verdient ausgezahlt.

    Zu Sanders: ich mag ihn. Klar, er haut seine Trainingsdaten raus, aber ganz offenbar nicht um zu beeindrucken, sondern weil er sich sagt „warum sollte ich ein Geheimnis draus machen?“. Für mich wirkte er nie abgehoben, da er zwar stärken, wie Rad fahren und laufen auch als Stärken formuliert, aber sich Schwächen, wie sein schwimmen oder die stümperhafte Hawaiivorbereitung der letzten 2 Jahre auch offen anspricht. Markiger, authentischer Typ mit Ecken und Kanten, seine Vergangenheit interessiert mich dabei gar nicht.

    Zu Frodo, absolut schade. Ich mag das, was viele an ihm nicht mögen. Er sagt klar, dass er gewinnen will und alles andere eine Enttäuschung wäre. Was soll er auch sagen, als 2facher Sieger, Dominator der letzten 3 Jahre und Olympiasieger. Trotz Samstag ist er für mich weiterhin der kompletteste und hätte mit einem „normalen“ Marathon für seine Verhältnisse, also 2:45-2:47 das Rennen und vermutlich sogar die sub8 gepackt. Darüber zu spekulieren ist genauso müßig, wie letztes Jahr über die 5 min Strafe von Lange von daher ist es wie es ist. Das gute, er wird defintiv wiederkommen. Bei einem 3. Titel hätte ich mir auch den Rücktritt vorstellen können, aber das sind natürlich wage Spekulationen. Aussendarstellung hin oder her, der Kerl ist sehr intelligent und wusste sicher zu 100%, dass ihm mit dem Finish viele Sympathien entgegen kommen, trotzdem wäre fast jeder andere ausgestiegen, also chapeau.

    Berichterstattung:
    Viel zu männerlastig. Klar, unsere Frauen waren nicht gut, aber wenn man mit Lucy Charles einen Rookie hat, der Daniela Ryf so ans Limit bringt, dann sollte man das mehr zeigen, zumal Ryf gefühlt eh medial eingebürgert wurde, da mehr Interviews von deutschen Magazinen mit ihr stattfinden, als mit irgendeiner deutschen. Zumindest ist das meine Wahrnehmung.
    Und wie du sagst, wer so viel über Frodo spricht (verständlicherweise), der MUSS die 5 min für den letzten Kilometer über haben. Ich hab innerlich gekotzt, als sie das weggeschalten haben. Unger und vor allem Raelert fand ich spitze, der Moderator selbst hatte leider überhaupt keinen (Triathlon)sportlichen Sachverstand. Da kam so viel fachlicher Mist, dass er Glück hatte, dass Raelert und Unger ihn nicht jedes Mal verbessert haben. Wer da seit 3h 300 Watt drückt, der hat nunmal kein freundliches Gesicht mehr, das heißt aber nicht, dass er am Ende ist und nicht mehr schnell laufen wird. Da war die Berichterstattung vom Ironman Frankfurt erheblich besser.

    Beste Grüße

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