Interview mit Patrick Lange, Ironman Texas Champion 2016

Patrick Lange sorgt 2016 ordentlich für Furore. Sein erstes Jahr als Vollzeit-Profi bedeutet für den gelernten Physiotherapeuten gleichzeitig den Wechsel auf die Langdistanz. Unter der Anleitung von Faris al Sultan bestritt Lange den Ironman Texas und konnte sich mit einem souveränen und für viele Experten überraschenden Sieg direkt für die Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifizieren. Im Interview spricht Patrick über seine Langdistanz Premiere, wie er selbst den erfahrenen Faris al Sultan überraschte und die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Kailua-Kona.


Alex: Hallo Patrick! Der Sieg beim Ironman Texas war nicht nur dein Langdistanz Debut, sondern gleichzeitig auch der Durchbruch in der Profi Szene. Mit welchen Erwartungen bist du damals in das Rennen gegangen?

Patrick: Ich war im Vorfeld lange mit Faris (Faris al Sultan ist seit dieser Saison Trainer von Patrick Lange, Anm. d. Red.) unterwegs und habe viel auf Fuerteventura trainiert. Da fiel es mir schwer meine Verfassung einzuschätzen. Ich fand meine Trainingsleistungen zwar okay, hatte aber nicht das Gefühl in außergewöhnlicher Form zu sein und hatte dazu noch Probleme mit der Hüfte und dem Rücken. Dadurch konnte ich für längere Zeit keine vernünftigen Laufeinheiten machen und bin mit gemischten Gefühlen nach Cannes (zum Vorbereitungsrennen, Anm. d. Red.) geflogen. In Cannes habe ich am Abend vor dem Rennen im Hotel gelegen und wusste gar nicht ob ich am nächsten Tag überhaupt starten kann weil ich solche Schmerzen hatte. Das Rennen lief aber gut, von daher wusste ich, dass die Form gut ist und ich nur meine gesundheitlichen Probleme in den Griff bekommen musste. Dadurch bin ich mit gemischten Gefühlen nach Texas geflogen. Ich war natürlich sehr aufgeregt und habe mir viele Gedanken gemacht, aber mein Trainer hat wirklich einen guten Job gemacht und mir die Angst vor meiner ersten Langdistanz genommen. Wir haben uns aber bewusst keine Platzierung als Ziel gesteckt, sondern das Finish als oberste Prämisse gesehen. Im Rennen lief dann glücklicherweise alles zusammen.

Alex: Das kann man durchaus so sagen. Vor allem deine Laufleistung mit 2:40h auf dem Marathon war bärenstark. Hattest du im Rennen auf Grund der Verletzungssorgen Angst, dass du diese Führung noch aus der Hand geben könntest weil der Körper anfängt zu streiken?

Patrick: Nein, da habe ich zum Glück gar nicht dran gedacht, da hilft natürlich auch das Adrenalin in so einem Rennen. Durch den Rennverlauf habe ich einfach ein durchgehend gutes Gefühl gehabt weil es von Anfang an richtig gut lief. Das Schwimmen war sehr gut und auf dem Rad habe ich endlich einmal meine Vorgaben zu 100% durchgezogen ohne die Nerven zu verlieren. Als ich dann den Lauf auf Platz 3 begonnen habe, dachte ich mir schon, dass die Ausgangsposition sehr gut ist und ich jetzt unbedingt die Nerven behalten muss. Da hatte ich deshalb andere Gedanken im Kopf. Im Nachhinein ist es eigentlich komisch, dass ich nicht eine Sekunde an diese Probleme gedacht habe, aber durch die vielen Zuschauer, das Kameramotorrad, das die gesamte Zeit vor mir hergefahren ist, und alle Eindrücke, die man auf einer Langdistanz sammelt, gab es glücklicherweise genug andere Dinge, die mich mehr beschäftigt haben.

Alex: Du hast gesagt, dass du dir im Vorfeld nicht ganz sicher warst wie deine aktuelle Verfassung ist. Dein Coach ist auf der Langdistanz unglaublich erfahren und hat vermutlich ein besseres Gespür für diese Situationen. Hat Faris Dir im Nachhinein verraten, dass er diesen Erfolg insgeheim schon erwartet hat oder war diese Leistung auch für ihn ungewiss?

Ironman Texas 2016
2:40h bedeuteten den schnellsten Marathon des Tages und den ungefährdeten Sieg

Patrick: Faris hat schon gewusst, dass das Laufen auf diesem Niveau meine Stärke ist, aber mit der Zeit hat auch er nicht gerechnet. Er hat mir 2:48h bis 2:50h zugetraut, aber die 2:40h bzw. eine noch etwas schnellere Zeit - wenn man mal den ausgiebigen Zieleinlauf weglässt - kam auch für ihn überraschend. Er hat mir übrigens auch gesagt, dass es ihm gar nicht so lieb war, dass ich direkt meine erste Langdistanz gewonnen habe und er diesen Erfolg lieber im zweiten oder dritten Rennen gesehen hätte.

Alex: Deine zweite Langdistanz zu gewinnen wird wohl noch schwieriger werden, denn die findet bei deiner Premiere des legendären Ironman auf Hawaii statt. Wie laufen die Vorbereitungen auf dieses Rennen gerade im mentalen Bereich ab? Hast du mit Faris schon über die Bedingungen und eventuelle Rennszenarien gesprochen oder werdet ihr solche Details erst in den Wochen vor dem Rennen klären?

Patrick: Ne, ganz und gar nicht. Seit Texas reden wir in jedem Gespräch über dieses Rennen. Es gibt einfach so viele Aspekte über die ich nachdenke und so viele Fragen, die ich an Faris habe. Ich denke jeden Morgen nach dem Aufstehen zu erst an den Ironman auf Hawaii. Dieses Rennen ist omnipräsent und wir sind da bereits am planen. Im Prinzip gehen wir dieses Rennen jede Woche durch obwohl wir schon so häufig darüber gesprochen haben, aber er gibt mir immer wieder Tipps und auch Prognosen, die er in seinem Kopf hat. Ich glaube was dieses Rennen angeht ist selbst Faris noch ganz schön aufgeregt.

Alex: Was sind in diesem Rennen deine Erwartungen? Gehst du deine Hawaii-Premiere so an, dass du sie in erster Linie als Erfahrung siehst oder hast du dir bestimmte Ziele an dich und deine Leistung gesetzt?

Patrick: Ich versuche schon fokussiert an die Sache ranzugehen und denke, dass ich von den Erfahrungen meines Trainers ungemein profitieren kann. Ich wäre ja schön blöd, wenn ich diesen riesigen Informationsschatz nicht anzapfen würde um von seinen Erfahrungen und auch von den Fehlern zu lernen. Ich denke, dass ich in der ersten Gruppe schwimmen kann und dann heißt es für mich, möglichst lange an der vorderen Radgruppe dranzubleiben. Wenn ich dann eine gute Position habe und meine Laufstärke ausspielen kann ist auf jeden Fall eine gute Platzierung drin. Wichtig wird sein, dass ich auf dem Rad weiterhin mein Rennen mache wenn ich den Anschluss nach vorne verlieren sollte, damit ich einen guten Marathon laufen kann. In dem Fall sehe ich mich dann realistisch um Platz 15.

Alex: Du scheinst bereits einen klaren Rennplan zu haben. Ist diese ambitionierte Herangehensweise auch der Grund dafür, dass du dich aktiv gegen einen vollen Rennkalender und für eine gezielte Vorbereitung entschieden hast?

Patrick: Wir hatten von Anfang an die Saison erst einmal nur bis zum Ironman Texas geplant. Ich hatte wirklich keine Idee was nach diesem Rennen passieren wird. So war es mir natürlich möglich, den Fokus komplett auf dieses eine Rennen zu richten. Wir hatten aber schon gesagt, dass wenn eine weitere Langdistanz die realistische Chance für die Hawaii-Qualli bietet, ich diese Möglichkeit wahrnehme. Wir wären aber auch von dem „Plan Hawaii“ abgerückt, wenn der Rennkalender dadurch zu voll geworden wäre und hätten uns stattdessen auf den nächsten Qualifikationszyklus konzentriert. Ich hatte im Winter schon gesagt, dass ein Start bei der WM 2016 unerwartet kommen würde aber natürlich ein Traum wäre. Dass der Sieg in Texas mir jetzt diese Möglichkeit geboten hat, ist unglaublich. Ich habe jetzt die Möglichkeit, mich gezielt auf dieses Highlight vorzubereiten und habe bewusst die Trainingsintensität reduziert um dann im Oktober noch einmal richtig gut in Form sein zu können. Diesem Ziel gilt jetzt mein voller Fokus und was danach kommt weiß ich - genauso wie bei meinem ersten Ironman - noch nicht.

Alex: Fiel es dir schwer, das Training herunterzufahren und deinen Fokus auf den Oktober zu legen oder war es eine Überlegung von euch, diese herausragende Form zu nutzen und weitere Punkte und natürlich auch Preisgeld bei weiteren Rennen zu sammeln?

Patrick: Nein, überhaupt nicht. Für mich war von Beginn an klar, dass diese Situation eine riesige Chance ist. Natürlich guckt man sich die Ergebnislisten von den Rennen an und überlegt sich wo man in diesem Feld platziert gewesen wäre, aber der Reiz von Kona ist so groß, dass ich nicht von diesem großen Ziel habe abbringen lassen. Ich war auch nach dem Rennen in Texas für vier Wochen richtig müde und hätte ehrlich gesagt gar keine Lust gehabt direkt wieder ein Rennen zu machen.

Alex: Dein Motto lautet seit vielen Jahren „Leidenschaft am Limit!“ Haben sich diese Limits durch die großartige Saison verschoben?

Patrick: Ich würde es etwas anders formulieren: Ich glaube, ich konnte in diesem Jahr diese Leidenschaft das erste Mal so richtig zulassen, weil ich im Januar meinen Job als Physiotherapeut an den Nagel gehangen habe und mich seither ausschließlich dem Sport widmen konnte. Um ehrlich zu sein sah es im Winter was Sponsoren angeht gar nicht gut aus, weil mein Hauptsponsor sein Engagement beenden musste. Ich habe dann aber mit Ibrakom einen Sponsor gefunden, der mir eine langfristige Partnerschaft zugesichert und mir dadurch die Möglichkeit gegeben hat, meine gesamte Energie dem Sport zu geben. Durch die Grundsicherheit, die mir durch diese Partnerschaft verschafft wurde, habe ich alles auf eine Karte gesetzt und bin der zusätzlichen Belastung von 20 Arbeitsstunden mit körperlicher Betätigung nicht mehr ausgesetzt. Durch die gewonnene Energie und Flexibilität bin ich im Training vom Kopf her wesentlich freier und natürlich auch leistungsfähiger.

Alex: Durch diese Konstellation ergeben sich dir völlig neue Möglichkeiten. Was sind deine Ziele für die nächsten Jahre? Machst du diese vor allem an Hawaii fest oder gibt es noch andere Meilensteine, die du anpeilst?

Patrick: Ich sehe mich ganz klar auf der Langdistanz. Auf dieser Strecke habe ich meine Wünsche und Träume. Ich war zwar auf der Kurz- und Mitteldistanz schon ganz annehmbar, aber ich glaube, dass ich auf der langen Distanz mein volles Potenzial entfalten kann. Ich möchte meine Ziele aber nicht nur an Hawaii festmachen. Dieses Rennen hat so viele eigene Gesetzte, da muss ich erst einmal sehen ob mir diese Bedingungen entgegenkommen. Natürlich ist es mein Ziel langfristig in Kona auf dem Podium zu stehen, aber als Hesse möchte ich auch unbedingt eines Tages beim Ironman in Frankfurt gewinnen, das würde schon ganz nah an den Kona-Traum rankommen. Ich habe ja zuletzt wieder hautnah mitbekommen wie großartig die Atmosphäre an der Strecke und vor allem im Ziel auf dem Römerberg ist. Das möchte ich auf jeden Fall als Teilnehmer miterleben.

Den Zieleinlauf genoss Patrick Lange in vollen Zügen
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