Interview mit Johannes Moldan

Vorrangig auf der Mitteldistanz unterwegs ist „Hannes“ für seine klaren Meinungen und schnelle Radzeiten bekannt. Letztere haben ihn unter anderem zu Top-10 Platzierungen bei den Ironman 70.3 in Barcelona, Wiesbaden und Mallorca verholfen. Am Tag nach dem für ihn enttäuschenden Rennen beim Ironman 70.3 Mallorca 2016 traf ich Johannes auf einen Kaffee und sprach mit ihm über den finanziellen Druck von Profi Triathleten, die Windschattenproblematik und ungewöhnliche Anfänge im Triathlonsport.

Alex: Du hast keinen besonderen Leistungssport Hintergrund in einer der drei Sportarten. Erst durch eine Reise nach Paris bist Du zum Triathlon gekommen...


Johannes: Genau. Ursprünglich komme ich vom Kickboxen, das bringt mir aber maximal beim Schwimmen noch etwas. (lacht) Ich komme eigentlich vom Mountainbiken und habe irgendwann ein Rennrad geschenkt bekommen. Ich bin dann 2007 an einem Freitag spontan mit einem Kumpel nach Paris gefahren und auf der Rückfahrt über 15 Stunden in einer Bimmelbahn kommt man eben auf dumme Gedanken. Ich hatte dann die Idee mit Triathlon anzufangen weil mir die langen Radfahrten Spaß gemacht haben aber auf Dauer doch zu einseitig waren.


Alex: Wann ist der Gedanke in Dir gereift es als Profi zu versuchen?


Johannes: Mein Kumpel hatte ein paar Jahre vorher schon einmal Triathlon gemacht und mit Normann Stadler zusammen unter der Leitung von Normanns Vater trainiert. Ich habe mich dann direkt bei ihm vorgestellt und im Prinzip war direkt klar, dass wir es richtig durchziehen wollen. Ich erinnere mich noch an meinen aller ersten Tag: wir haben damals einen Leistungstest gemacht und ich sollte eine 2Km Runde einmal locker und zweimal schnell laufen. Meine lockere Runde war dann allerdings die Schnellste weil ich vorher ja nie wirklich gelaufen bin. Ich sollte mich dann noch eine Runde auslaufen und habe nur gewartet, dass er um die Ecke verschwunden ist damit ich gehen konnte weil ich so fertig war. (lacht) Im Laufen ging es dann aber schnell voran. Nach zwei Jahren bin ich die 10Km schon unter 34 Minuten gerannt. Das Schwimmen hat am längsten gedauert, aber ich hatte von Anfang an genug Biss und bin jeden Tag aufs Neue ins Wasser gegangen. Nach einem Jahr habe ich dann einen Trainer genommen. Der hat dann allerdings erst einmal zwei Jahre gebraucht um die Fehler rauszutrainieren, die ich mir vorher auf eigene Faust ein Jahr lang angewöhnt habe.


Alex: Du bist hauptsächlich auf der Mitteldistanz unterwegs und hast damit auch keinen Verband im Rücken. Dadurch entstehen natürlich bestimmte Freiheiten aber auch keine festen Einnahmen durch Fördergelder. Eine schwierige Situation...


Johannes: Ich mag dieses Leben. Man ist total selbstständig und ich mag zum Beispiel die ganzen Marketingaktivitäten um den Sport herum. Ich bin auch ein Eigenbrötler, der zum Beispiel ungern in Gruppen trainiert und im Verband wahrscheinlich überall angeeckt wäre. Ich mag es einfach nicht von anderen abhängig zu sein. Wenn wir zum Beispiel um 5 Uhr Radfahren sollen aber ich schon um halb 5 Bock habe, dann hätte ich schon ein Problem. Von daher bin ich gerne mein eigener Chef.


Alex: Dein eigener Chef warst du auch im letzten Jahr bei deinem Langdistanz Debut in Südafrika. Viele haben Dir damals von einem Start auf Grund der extremen Wetterbedingungen, dem harten Kurs und einem starkem Teilnehmerfeld abgeraten. Du hättest es dir damals einfacher machen können...


Johannes: Das stimmt aber ich habe an mich selbst den Anspruch Konkurrenzfähig zu sein wenn ich als Profi starte. Ich möchte einfach den direkten Vergleich haben. Es bringt mir nichts auf irgendwelche Wald- und Wiesentriathlons zu gehen und mit Abstand zu gewinnen und dann bei starken Rennen auf die Mütze zu bekommen weil man aus seiner rosaroten Welt kommt.

Bei der Streckenbesichtigung ging es noch locker zu
Bei der Streckenbesichtigung ging es noch locker zu


Alex: Dem Anspruch gegenüber steht natürlich der Druck der Sponsoren, die gute Ergebnisse erwarten. Gerade auf den längeren Distanzen, auf denen jedes Jahr nur eine begrenzte Anzahl an Rennen möglich ist, kannst Du Dir kaum ein schlechtes Ergebnis leisten...


Johannes: Meine Sponsoren wissen zu Glück genau welches Rennen hochklassig und welches Feld eher mittelmäßig ist. Man kann natürlich auch zu irgendeinem kleinen Ironman nach Asien fliegen wo wesentlich weniger starke Profis am Start sind als zum Beispiel bei

einer Kontinental Meisterschaft in Südafrika. Meine Partner kennen aber natürlich auch die Konkurrenten und können Zeiten und Platzierungen in ein Verhältnis setzen. Von daher habe ich da relativ wenig Druck mit aller Gewalt ein Top Ergebnis bei irgendeinem kleinen Rennen zu erreichen.


Alex: Spielen solche Aspekte auch bei Gesprächen mit deinen Sponsoren eine Rolle? Legst du Wert darauf, dass Deine Sponsoren wissen, dass Du zum Großteil in großen Rennen startest und damit nicht jedes Wochenende ein Top- Ergebnis garantieren kannst?


Johannes: Es gibt natürlich schon Verträge, in denen ich mehr verdienen könnte wenn ich ein Top 5 Ergebnis erreiche. Von daher könnte ich mir schon einiges erleichtern. Das machen ja auch einige Athleten. Die suchen sich ein Rennen raus wo nur ein paar Profis am Start sind und erreichen dann natürlich auch entsprechende Platzierungen. Ich setze meinen eigenen Anspruch aber höher als mein Einkommen und möchte mich langfristig verbessern. Dafür sind Vergleiche mit vielen starken Athleten einfach wichtig.


Alex: Du hast mal auf deinem Facebook Profil ordentlich Frust über das Windschattenfahren einiger Athleten abgelassen und gesagt, dass jeder Platz, den Du in einem Rennen verlierst weil Konkurrenten betrügen, dich natürlich Geld und damit auch Planungssicherheit kostet - vom Gefühl einer besseren Platzierung mal ganz abgesehen. Hat sich in der Windschattenproblematik in deinen Augen etwas verändert in den letzten Jahren?


Johannes: Es kommt ziemlich stark auf das jeweilige Rennen an aber generell glaube ich, dass sich auch bei Zuschauern einiges in der Wahrnehmung getan hat. In Port Elizabeth in diesem Jahr war ich als Zuschauer und war an einem Hotspot an der Radstrecke. In der ersten Radrunde waren die Profis wie an einer Perlenkette aufgereiht und oftmals hätte kein weiteres Rad dazwischen gepasst. Da wurden die entsprechenden Fahrer vom Publikum namentlich genannt und auch deutlich darauf hingewiesen. In der zweiten Radrunde wurde dann auch fair gefahren. Ich denke es hilft wenn die Zuschauer dieses Gefühl für die Problematik bekommen. Vorher wurde immer davon gesprochen, dass in der Gruppe „gut zusammengearbeitet wurde“. Da habe ich ehrlich gesagt einen Anfall bekommen.


Alex: Bekommst du nach solchen Äußerungen Feedback von deinen Profi-Kollegen?


Johannes: Die Leute, die ich mit diesen Aussagen anspreche, reagieren da wenig drauf. Wenn ich sie dann aber beim nächsten Rennen treffe, merke ich am fehlenden Blickkontakt schon, dass ich da den richtigen Nerv getroffen habe. (lacht) Die Profis mit der gleichen Einstellung kommen allerdings schon auf mich zu und bestärken mich in meinen Ansichten.


Alex: Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg für die weitere Saison!

Hannes zählt trotz seiner Größe zu den starken Läufern. Foto: Marcel Hilger
Hannes zählt trotz seiner Größe zu den starken Läufern. Foto: Marcel Hilger

Ein Auszug der Produkte, die im täglichen Training und auf Wettkäpfen im Einsatz sind:

Bekleidung
* Mein Stirnband für Rennen: http://amzn.to/2ohKZyB
* Meine Socken für Wettkämpfe: http://amzn.to/2ohTE4a
Nahrungsergänzug
* Eiweiß für die richtige Regeneration: http://amzn.to/2ohOAwM
* Proteine ideal für unterwegs: http://amzn.to/2q3BqzP
* Liquid Gel für Wettkämpfe: http://amzn.to/2q3Kc0L
Ernährung
* Die nötige Portion dunkle Schokolade darf natürlich nicht fehlen: http://amzn.to/2p5Dh7W
* Quinoa ist für mich die bessere Pasta und Reis Variante: http://amzn.to/2prJrSS
* Und im Vorteils-Pack: http://amzn.to/2oCZurT
* Außerdem bin ich ein großer Fan von Chia Samen: http://amzn.to/2oCVt6Y
* Am liebsten auch direkt in großen Mengen 😉 : http://amzn.to/2p8mAbN
Trainings-Tools
* Mein Rollentrainer: http://amzn.to/2ohM7Cl


Die mit * markierten Links sind aus dem Affiliate Programm von Amazon. Bei einer Bestellung über diesen Link werde ich prozentual am Umsatz beteiligt.

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.