Interview mit Anja Beranek, Ironman Siegerin und IM 70.3 Vize-Weltmeisterin

Anja Beranek

Mitten in der intensiven Vorbereitung auf die Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii hatte ich die Möglichkeit mit einer der besten Triathletinnen der Welt zu sprechen. An ihrem Entlastungstag („freie Tage gibt es bei uns ja nicht“) im Playitas auf Fuerteventura stand mir Anja Beranek Rede und Antwort und blickt auf ihre bisherige Karriere zurück, verrät wie sie mit Rückschlägen umgeht und was sie in ihrem täglichen Training antreibt.

Alex: Du hast bereits als kleines Kind deinen ersten Triathlon absolviert und dich beim Schwimmen an deinen Papa geklammert. Wann wurde dir bewusst, dass aus diesem Hobby ein Beruf werden kann?

Anja: Triathlon und Sport im Allgemeinen hat schon immer eine extrem große Rolle bei uns in der Familie gespielt. Den Traum als Triathlonprofi leben zu können hatte ich schon als kleines Kind, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass ich mit dem damaligen Ironman Europe (heute DATEV Challenge Roth, Anm. d. Red.) vor der Haustür aufgewachsen bin. Der Triathlon hat mich schon immer fasziniert, aber es war mir genauso wichtig eine solide Ausbildung neben dem Sport zu haben. Nach der Schule habe ich ein BWL Studium und mehrere Praktika absolviert und hatte einen festen Job. Die Triathlonkarriere hatte ich dabei aber immer im Hinterkopf und mit der Zeit wurde der Fokus auf den Sport immer stärker bis ich mich Ende 2011 dazu entschieden habe als Profi zu starten.

Alex: Hat sich in diesem Prozess die Einstellung zum Sport verändert? Es ist auffällig, dass du trotz der Abhängigkeit guter Ergebnisse immer eine große Lockerheit und Fröhlichkeit versprühst.

Anja: Triathlon ist immer noch meine ganz große Leidenschaft, daran hat sich im Prinzip nicht viel verändert. Ich liebe die Verbindung zur Natur, das Trainieren bei Wind und Wetter. Darum geht es mir in erster Linie. Natürlich kommen als Profi noch andere Gründe dazu den Sport auszuüben, die Basis bleibt aber die Leidenschaft, der besondere Lebensstil, das Achten auf eine bewusste Ernährung und die vielen Trainingseinheiten, auch wenn diese natürlich ab und zu mit Schmerzen verbunden sind.

Alex: Du hast in dieser Saison das Podium fest gebucht und durchweg gute Leistungen gezeigt. Ausgerechnet bei deinem Heimrennen in Roth hast du leider nicht deinen besten Tag erwischt und bist mit Platz 5 unter deinen eigenen hohen Erwartungen geblieben. Wie gehst du mit Rückschlägen bei den großen Highlights in einer Saison um?

Anja Beranek
Die Familie inkl. Hund ist für Anja Beranek ein wichtiger Ruhepol

Anja: Das tut unmittelbar nach dem Rennen natürlich weh und man fällt zunächst erst einmal tief, aber dadurch dass ich den Sport seit 20 Jahren intensiv ausübe, bin ich es gewohnt Höhen und Tiefen zu erleben. Durch diese Erfahrungen habe ich gelernt wie ich aus diesen Tälern rauskomme, auch wenn man einige Wochen an diesen Ergebnissen zu knabbern hat. Dennoch glaube ich, dass diese Momente den Sport ausmachen und dass man durch diese Rückschläge die großen Erfolge erst richtig zu schätzen lernt. Bei uns Triathleten auf der Langdistanz kommt noch dazu, dass wir nur zwei- bis dreimal im Jahr die Chance haben, unsere Form bei den großen Rennen unter Beweis zu stellen. Das ist eine große Herausforderung und natürlich gehört auch ein bisschen Glück dazu, damit man an diesem Tag alles abrufen kann.

Alex: Brauchst du nach sportlichen Rückschlägen erst einmal Abstand zum Triathlon oder hilft es dir wenn du direkt in den Trainingsalltag zurückkehrst um das Gefühl zu haben, dich noch akribischer auf das nächste Event vorzubereiten?

Anja: In erster Linie brauche ich starke Schultern zum Anlehnen. In solchen Phasen ist mein Partner eine große Stütze und hilft mir ungemein. Mir ist mein menschliches Umfeld extrem wichtig um mich abzulenken und in gewisser Weise aufzufangen. Dadurch wird mir klar, dass der Sport zwar ein großer Bestandteil, aber ganz bestimmt nicht alles in meinem Leben ist. Wichtig ist aber natürlich auch, die Leistung zu analysieren und dann die entsprechenden Schritte einzuleiten um es beim nächsten Mal besser machen zu können.

Alex: Die meisten Menschen sind leider so gestrickt, dass die schlechten Ergebnisse wesentlich intensiver und länger reflektiert werden als die positiven Momente. Geht es dir auch so, dass du an den Misserfolgen länger zu knabbern hast als du dich an den Siegen erfreust?

Anja: Leider ja. Es ist wichtig zu versuchen sich an den positiven Dingen festzuhalten. Mir hilft es dabei wenn ich mir die vergangenen Erfolge ins Gedächtnis rufe und visualisiere. Dabei kann ich Mut für die kommenden Aufgaben schöpfen.

Alex: Ich möchte noch kurz bei deinem Heimrennen, der DATEV Challenge Roth, bleiben. In diesem Jahr war das Medieninteresse so groß wie wohl noch nie. Das hatte viel mit der Ankündigung des Weltrekordversuchs von Jan Frodeno im Vorfeld des Rennens zu tun. Hast du es für möglich gehalten, dass der Triathlon es schafft, ein so großes mediales und öffentliches Interesse hervorzurufen?

Anja Beranek
Die Schönheit Fuerteventuras sorgt für gute Laune 

Anja: Ich glaube, dass es diese Entwicklung schon seit mehreren Jahren gibt und die Veranstalter es immer besser verstehen, eine Show zu kreieren, die die Massen begeistert. Ich finde diese Entwicklung sehr gut und denke, dass der Triathlon eine derart große Aufmerksamkeit absolut verdient. Die Emotionen, die vor allem bei einer Langdistanz entstehen, können Menschen begeistern, die bis dato noch gar keinen Bezug zum Triathlon hatten. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, die drei Sportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen, die jeder Mensch ausüben kann, zu transportieren und den Leuten näher zu bringen, um die Freude an der Bewegung und einem aktiven Lebensstil zu fördern.

Alex: Zurück zu dir: dein nächstes Highlight wird die Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii sein. Auf deiner Homepage heißt es: „Kona: der Code wird geknackt!“ Was beinhaltet dieser Code und wie bereitest du dich speziell auf dieses Rennen im Vergleich zu anderen Langdistanzen vor?

Anja: Das Rennen auf Hawaii ist ganz speziell. Zum einen durch das Klima, zum anderen aber auch weil die besten Athleten der Welt versammelt sind und sich dadurch eine ganz andere Renndynamik entwickelt, die man in der Art nicht simulieren kann. Bei anderen Rennen stehen normalerweise nur maximal eine Hand voll Athleten aus der absoluten Weltspitze gleichzeitig am Start. Da kann es leicht passieren, dass man nach einem guten Ergebnis denkt schon sehr weit oben zu sein und dann eine böse Überraschung auf Hawaii erlebt (lacht). Bisher hatte ich bei meinen Auftritten bei der Weltmeisterschaft leider Pech und habe natürlich das Ziel in diesem Jahr eine gute Leistung abzurufen. Die Vorbereitungen dafür laufen sehr gut und mit der Entwicklung meiner Form und den Zahlen aus dem Training bin ich sehr zufrieden.

Alex: Wie muss das Rennen laufen, damit du zufrieden bist und behaupten kannst den Code geknackt zu haben?

Anja: Das ist auf Hawaii wirklich ganz schwer zu sagen, weil die Leistungsdichte so unglaublich hoch ist. Ich möchte einfach eine gute persönliche Leistung abrufen, diese aber nicht vorrangig an Zeiten festmachen, da die Bedingungen was Hitze und Wind angeht, einen ganz großen Anteil daran haben. Ich hoffe, dass ich zusammen mit der ersten Gruppe aus dem Wasser komme und auch auf der Radstrecke mit diesen Mädels mitfahren kann. Wenn ich dann einen guten Marathon im Bereich von 3:10h laufe glaube ich schon, dass das für die Top-10 reichen kann.

Alex: Für das Rennen und die verbliebene Vorbereitungszeit wünsche ich dir viel Erfolg und bedanke mich für das Interview.

Anja Beranek
Auf dem Rad gehört Beranek zu den schnellsten Frauen der Welt

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