Einsam nach Rio – das Deutsche Olympia Dilemma

Foto: Delly Carr/ITU

Am 20. August diesen Jahres wird Anne Haug im Brasilianischen Rio de Janeiro versuchen sich ihren Traum einer Olympischen Medaille zu verwirklichen. Vor vier Jahren landete die Laufspezialisten auf Platz 11, verfolgt von ihrer Landsfrau Anja Dittmer, die mit Platz 12 für ein ordentliches Ergebnis aus Deutscher Sicht sorgte. Ob es in diesem Jahr zu einer ähnlichen Konstellation kommt ist derzeit allerdings noch mehr als fragwürdig. Sogar ein Szenario mit Anne Haug als einzige Athletin bzw. Athlet aus dem Deutschen Lager ist nach jetzigem Stand nicht komplett auszuschließen.

Der Kampf um die Qualifikation für Olympia 2016 wurde für die Deutschen Profis über die letzten Monate immer weniger ein interner Wettstreit als vielmehr ein Anrennen gegen hohe Forderungen seitens der Deutschen Triathlon Union (DTU) und die starke internationale Konkurrenz. Ich möchte einen kurzen Blick auf die letzten 10 Monate werfen, die sich für die DTU im Nachhinein als überaus ernüchternd herausstellten.

6 Startplätze für Rio galt es ab 2015 zu vergeben. Drei Männer und drei Damen sollten die Deutschen Fahnen in Rio hochhalten und in das Rennen um eine Medaille eingreifen. Für den Qualifikationsprozess hat die DTU eigene Nominierungskriterien festgelegt, die sich im Nachhinein als wesentlich zu hoch gegriffen herausstellen sollten. Die Qualifikation wurde in zwei Abschnitte geteilt: 2015 wurde der Test-Wettkampf in Rio Anfang August als erste Möglichkeit für die Nominierung festgelegt. Jeweils einen Platz für die Männer und die Damen konnten vergeben werden, wenn ein Athlet in den Top-8 finisht oder am 21.09.2015 im WTS Ranking unter den besten 5 gelistet wird. Sollte sich nach diesen Kriterien ein Athlet qualifizieren, müsste Dieser im folgenden Jahr lediglich ein Top-15 Resultat in einem WTS-Rennen als Leistungsnachweis erbringen.

Der zweite Abschnitt der Nominierungskriterien bezog sich auf die Events der World Triathlon Series 2016, die bis Mai ausgetragen wurden. Den Damen wurde die Chance bei den beiden Wettkämpfen in Abu Dhabi und Yokohama eingeräumt um eine Platzierung unter den besten 8 zu erzielen und das Ticket nach Rio zu lösen. Für die Herren stand zusätzlich das Rennen an der Gold Coast zur Verfügung. Das Ergebnis dieses Prozesses ist zumindest den Insidern bekannt: Lediglich Anne Haug konnte sich beim Rio Test Event mit Platz 7 und dem entsprechenden Leistungsnachweis in Kapstadt 2016 (Platz 4) erfolgreich qualifizieren. Die Herren verpassten das geforderte Ergebnis in Rio deutlich. Gregor Buchholz war mit Platz 22 bester Deutscher.

Noch ernüchternder wurde es 2016. Optimistisch in die Saison gestartet entpuppte sich das geforderte Top-8 Resultat immer mehr zur unlösbaren Aufgabe. In Abu Dhabi war auf Damenseite Hanna Philippin (Platz 16) immerhin ein Lichtblick. Anja Knapp (29), Laura Lindemann (30), Rebecca Robisch (43) und Sophia Saller (DNF) verpassten das geforderte Ergebnis deutlich. Auch Anne Haug (Platz 38) musste zu diesem Zeitpunkt weiterhin um ihr Ticket zittern. Bei den Herren dürfte die Stimmung nach dem Rennen noch schlechter gewesen sein: Steffen Justus (Platz 36) sorgte gar für das einzige Finish aus Deutscher Sicht. Justus Nieschlag und Gregor Buchholz konnten ihre Rennen hingegen nicht beenden.

Einen knappen Monat später an der Australischen Gold Coast bot sich ein ähnliches Bild: Steffen Justus war bester Deutscher auf Platz 18 und Gregor Buchholz musste das Rennen erneut vorzeitig beenden. Die ausbleibenden Ergebnisse sorgten sogar dafür, dass die Herren einen dritten Startplatz für Rio verspielten und fortan maximal zwei Athleten nach Rio schicken durften.

Im letzten Rennen des Nominierungszyklus in Yokohama konnten die Deutschen Starter zwar in einem stark ausgedünnten Feld für Erfolgsmomente sorgen, ein weiterer Platz konnte jedoch nicht vergeben werden. Laura Lindemann (Platz 10) und Rebecca Robisch (12) verpassten das geforderte Ergebnis nur knapp und Hanna Philippin (16) rundete das gute Geamtergebnis ab. Bei den Herren landeten Justus (Platz 14) und Buchholz (15) auf zufrieden stellenden Rängen und Franz Löschke (22) zeigte nach langer Zeit mal wieder, dass mit ihm noch zu rechnen ist. Ein Lichtblick nach vorherigen enttäuschenden Monaten. An eine erfolgreiche Qualifikation eines Athleten hat vor dem Rennen jedoch wohl niemand mehr ernsthaft geglaubt.

So müssen die Profis, die sich vergeblich an den zugegebenermaßen hohen Standards aufgerieben haben, auf ein Schlupfloch hoffen, dass sich die DTU in ihren Kriterien erhalten hat. Bis zum 16. Juni hat der Verband die Möglichkeit, dem DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) weitere Vorschläge zur Nominierung zusätzlicher Athleten zu machen. Diese Vorschläge werden „unter Einbeziehung der sportfachlichen Beratung durch den DTU-Leistungssportausschusses und unter Berücksichtigung der Saison-ergebnisse bis zum 16.06.2016“ (Sportartenspezifische Nominierungskriterien, 2016) eingereicht und bis zum 12. Juli vom DOSB abschließend bewertet.

Ob der DOSB die vorgeschlagenen Athleten jedoch nominiert und wieviele der vier noch möglichen Plätze vergeben werden, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch in den Sternen. Für mich ist ein Szenario am wahrscheinlichsten in dem Laura Lindemann als Nachwuchsathletin (Jahrgang 1996), sowie zweifache Junioren Europa- und Weltmeisterin nominiert wird. Ihr kann ein Verpassen der Olympianorm durch ihr noch junges Alter nicht als Scheitern vorgehalten werden. Vielmehr hat sie durch ihre starken Leistungen bei den Junioren, sowie Platz 10 in Yokohama 2016 und Platz 7 in Hamburg 2015 bewiesen, dass sie mittel- und langfristig eine sehr gute Rolle bei den Profis spielen kann. Sie könnte in Rio die nötige Erfahrung sammeln und sich weiterhin auf ihre Entwicklung und eine Medaillenchance bei weiteren Olympischen Spielen konzentrieren.

Bei den Herren könnte Steffen Justus einen Platz erhalten. Als bester Deutscher bei jedem der drei Qualifikationsrennen 2016 ist dieser durchaus verdient. Auch er hat in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass er an einem guten Tag Großes leisten kann. Für die hohen Kriterien seitens der DTU ist der Vize-Weltmeister von 2010 nicht verantwortlich. Weitere Athleten haben sich in den letzten 10 Monaten jedoch wohl nicht nachhaltig für einen Platz im Olympiaaufgebot empfohlen - der Kriterien des DOSB nach zumindest.

Und auch trotz der möglichen Nachnominierung weiterer Athleten muss sich die DTU Fragen gefallen lassen: Waren die Standards der Qualifikation zu hoch? Wieso sind die Kaderathleten in der absoluten Weltspitze aktuell nicht (dauerhaft) konkurrenzfähig? Sollen wirklich nur Profis mit „realistischer Medaillenchance“ nach Rio? Wie stellt sich der Kader und das Betreuerteam in Hinblick auf die nächste Olympia Periode auf? Wieso ist die Diskrepanz zwischen Deutschen Ergebnissen auf der Mittel- und Langdistanz und den Kurzdistanzen derart groß?

Einige dieser Fragen werde ich eventuell in kommenden Ausgaben aufgreifen. Bis dahin heißt es die Entscheidung des DOSB abzuwarten. Fakt ist: am 18. August (Herren) und 20. August (Damen) geht es für die Triathlonprofis um einen Platz in den Geschichtsbüchern dieser Sportart - mit oder ohne deutscher Beteiligung.

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